Wirtschaft und Arbeitnehmer

In den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft hört man oft die Klage über die hohen Lohnkosten im eigenen Land. Allerdings wird dabei nicht bedacht, dass privater Konsum nur möglich ist, wenn das Einkommen dafür ausreicht. Dabei ist es wichtig, das in der Lohntüte neben den Beträgen für die festen Kosten noch etwas übrigbleibt, das in die private Nachfrage einfliessen kann.

Auch die Unternehmen der Automobilindustrie müssen sich darüber im Klaren sein, dass sie mit Stellenabbau ihren Kundenkreis verkleinern. Im Gegensatz zu den Werksangehörigen kaufen Roboter keine Autos! Die Arbeitnehmer in unserem Lande können nicht einsehen, dass bei Wachstum der Wirtschaft ihr Realeinkommen nicht höher wird. Deshalb verlangen die Gewerkschaften "einen kräftigen Schluck aus der Pulle". Dabei ist jedoch zu bedenken, dass die deutsche Wirtschaft überwiegend vom Export lebt.

Zu hohe Lohnkosten und Lohnnebenkosten könnten zu Preisen führen, die sich auf dem Weltmarkt nicht durchsetzen lassen. Deshalb ist es eine besondere Verpflichtung von Regierung und Parlament, auf eine weitere Senkung der Lohnnebenkosten hinzuwirken. Von Arbeitgeberverbänden wird oft der arbeitsrechtliche Kündigungsschutz als Einstellungshindernis genannt. Aber auch Arbeitnehmer brauchen für ihr Leben eine gewisse Planungssicherheit. Wer eine Familie gründen will, muss über längere Zeit die Höhe seines Familieneinkommens einschätzen können. Unsichere Arbeitsplätze werden nicht dazu führen, dass in Deutschland mehr Kinder geboren werden. Eine verständnisvolle Zusammenarbeit von Arbeitgebern und Arbeitnehmern unter Nutzung der Möglichkeiten der betrieblichen Mitbestimmung trägt sicherlich mehr zum Unternehmenserfolg bei als Klassenkampfparolen von beiden Seiten.
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